Die Politik in Ghana wirbt mit „kostenloser“ Bildung. Das behauptet auch Deutschland und trotzdem weiß jeder: Stimmt nicht so ganz.
Es gibt in Ghana, vor allem in der Central Region, unzählige Schulen. Fast jedes kleine Dorf verfügt über eine eigene. In Deutschland werden Bildungsstätten aufgrund geringer Schülerzahl geschlossen, hier neu gebaut. So ist das.
Der Staat spendiert kostenlose Bücher und bezahlt die Lehrkräfte. Doch wieso ist Schule denn dann nicht komplett kostenlos?
Fangen wir bei der Ausbildung der LehrerInnen an. In Deutschland muss man, um LehrerIn zu werden, auf die Universität gehen. Solche Lehrerschmieden gibt es zwar auch in Ghana, aber durch starke Lehrkörperknappheit gibt es auch schnellere Alternativen den Lehrerberuf zu ergreifen. Der schnellste Weg führt nach der Senior Highschool (zwischen Realschulabschluss und (Fach-)Abitur) über ein zweiwöchiges Seminar. Nach einem solchen Crash-Kurs ohne pädagogische Ausbildung werden die „LehrerInnen“ auf SchülerInnen losgelassen. Diesen Personen mangelt es meist nicht nur an Kompetenz, sondern auch an Motivation, denn das Gehalt für einen solch „ausgebildeten“ Lehrer ist sehr gering. Zusätzlich kennt er keine anderen Wege sich Autorität zu verschaffen, als mit dem Schlagstock.
Und dann wird der Schlagstock wütend geschwungen, Kinder verprügelt als Ausgleich zur fehlenden Ausbildung und als Ohnmachtszeichen eines frustrierenden Berufes.
Als Deutsche(r), der andere pädagogische Mittel kennen lernen durfte, kann man nur den Kopf schütteln. Als Freiwillige(r) hat man jedoch auch keine pädagogische Ausbildung und so habe ich traurigerweise mitbekommen, wie ein paar Freiwillige Bestrafungsmethoden nutzen, die man in Deutschland nicht mehr gebrauchen würde.
Aber es geht auch anders. Die schlecht ausgebildeten LehrerInnen sind an jeder Schule in der Minderheit. Und die richtigen LehrerInnen haben wirklich was auf dem Kasten, wenn auch hier wieder gilt: Es gibt gute und es gibt einfach schlechte LehrerInnen.
Ghana ist auf einem guten Weg, die Ausbildung wird immer besser und das merkt man auch an den Schulen. Der Schlagstock wird bei weitem nicht mehr so oft eingesetzt wie früher. Gut so.
Es ging darum, dass Bildung nicht kostenlos sei. Da das Gehalt selbst von den ausgebildeten LehrerInnen nicht beträchtlich ist, sammeln sie hier und da Geld und Gegenstände von den Schülern/Schülerinnen ein. Die SchülerInnen müssen für die Nachmittagsstunde bezahlen, Schwämme, Körbe, Besen in die Schule mitbringen. Das ist im Endeffekt alles Geld. Und zudem (und das ist kein Scherz) fehlt der Schüler/ die Schülerin als Arbeitskraft zuhause. So kann es passieren, dass an Markttagen die Klassenräume leerer sind als sonst.
Das ist vor allem in den kleinen Dorfschulen der Fall. Da ich in vier Schulen unterrichte (in zwei Dorfschulen und in zwei Schulen in der Kreishauptstadt Ajumako) kann ich feststellen, dass es zwischen den Dorf- und den Stadtschulen riesige Unterschiede gibt. Die Kinder in Ajumako sind einfach schlauer und sprechen besseres Englisch.
Wieso ist das so? Ein Grund können die LehrerInnen sein, die in Ajumako besser zu sein scheinen. Einen anderen Grund finde ich viel wichtiger: Die Menschen (vor allem Eltern) in Ajumako legen mehr Wert auf Bildung und schicken ihre Kinder nicht auf den Markt, sondern in die Schule. Bildung wird in der Familie ernster genommen, man interessiert sich für die Schule des Kindes und weiß genau: Education is the key.
Heute in der Mittagspause habe ich ein Gespräch mit einem Lehrer der Gesdi-Schule in Ajumako geführt. Die Klassenräume dort umfassen bis zu 90 Kindern, die ganze Schule erstrahlt in keinem neuen Glanz und verfügt über schlechte Sanitäranlagen. Trotzdem zählt Gesdi zu den besten Schulen im ganzen „Bundesland“. Auf meine Frage nach dem „Warum ist das so?“ antwortete er, dass hinter den SchülerInnen auch die Eltern stehen und oft zuhause gemeinsam gelernt werde.
Da haben wir es: Kinder, die von ihren Eltern in der Schule unterstützt werden, gehen auf bessere Schulen, sind schlauer und bringen es im Endeffekt weiter. So ist das auch in Deutschland: Gleiche, kostenlose Bildung für jeden ist nicht drin.
Dienstag, 15. Februar 2011
Mittwoch, 2. Februar 2011
Krasser Vorfall öffnet Augen
Als ich mit dem KidsClub in der Schule in dem kleinen Dorf Abowinum fertig war, kaufte ich mir am Straßenrand ein Wasser, unterhielt mich mit der Verkäuferin, die auch Voluntärin bei HFFG ist und stellte mich an die Straße und wartete auf ein Verkehrsmittel nach Ajumako.
Aus 200 Meter Entfernung kam ein Mann in meine Richtung gelaufen. Er lief alleine und hat laut auf Fante gesprochen, das ich nicht verstand, aber merkte, dass es an mich gerichtet war. Er kam immer näher auf mich zu, war sehr aggressiv und nicht normal (hatte also Alkohol oder sonstige Drogen konsumiert). Sein Ziel bestand darin, mich anzupöbeln und wohl auch zu verletzen. Von letzterem wurde er zum Glück abgehalten.
Die Voluntärin hat sehr schnell die Situation erkannt und wie wild auf den Mann eingeredet. In der Zeit hat mich ein anderer Mann aus Abowinum zu sich gerufen und sich mit einem Messer zur Abwehr neben mich gestellt. Daraufhin ist der Mann weiter gezogen, die Situation war vorbei und ich mit Adrenalin voll gepumpt zwischen Verzweiflung, Einschüchterung und Dankbarkeit für die Zivilcourage.
Dieser negative Vorfall, diese krasse Erfahrung hat mir aber die Augen für die Freundlichkeit der Menschen in Ghana geöffnet. Ich bin als Europäer in Afrika, als Deutscher in Ghana, als Weißer unter Schwarzen, ich bin – wie man es in Deutschland gerne sagt – ein Ausländer und trotzdem werde ich überall freundlich behandelt und zum Teil bevorzugt.
Und nach fast sechs Monaten gelange ich zum ersten Mal in eine solche Situation. Ich glaube als Schwarze(r) in Deutschland hat man es bedeutend schwerer.
Heute kann ich über den Rassismus-Artikel, den ich auf den Blog vor ein paar Monaten geschrieben habe, teils lachen. Damals habe ich die Obroni-Rufe rassistisch eingestuft. Welch ein Schwachsinn! Hinter dem Wort Obroni verbirgt sich nichts negatives, vor allem wenn kleine Kinder mich so rufen, ist das zwar anstrengend, aber völlig in Ordnung.
Es ist wohl bedeutend unangenehmer für ein/e Schwarze/r, wenn er oder sie durch eine kleinere Ortschaft läuft und dort die oft auch negativen Blicke seines Umfeldes abbekommt. Genau das ist Rassismus und nicht das Obronirufen in Ghana.
In Deutschland vermisst man an vielen Stellen Zivilcourage und hier stellen sich die GhanaerInnen neben mich und beschützen mich. Das hat mich sehr beeindruckt.
In eine solche Situation bin ich bisher noch nicht geraten. Ich kann mich überall frei bewegen, brauche keine Angst zu haben. Da fühle ich mich manchmal selbst nachts in meiner Heimatstadt Gedern an manchen Ecken unsicherer.
Und dann stellen wir uns hin und behaupten altklug: Wir in Deutschland sind besser entwickelt als die Menschen in Ghana. Bei einer solchen Aussage kann es einem Übel werden. Es gibt so viel, was wir von den GhanaerInnen lernen können und wo wir unterentwickelt sind.
Wir könnten ja einfach anfangen, jeder rassistischen Anspielung, sei es auch nur einem Witz, etwas entgegen zu setzen. Das wäre ein Anfang, dass Immigranten, vor allem People of Color, nicht mehr ständig Opfer von Rassismus wären. Vielleicht brauchen sie dann auch irgendwann keine Angst mehr zu haben, nachts auf Nazis zu treffen.
Aus 200 Meter Entfernung kam ein Mann in meine Richtung gelaufen. Er lief alleine und hat laut auf Fante gesprochen, das ich nicht verstand, aber merkte, dass es an mich gerichtet war. Er kam immer näher auf mich zu, war sehr aggressiv und nicht normal (hatte also Alkohol oder sonstige Drogen konsumiert). Sein Ziel bestand darin, mich anzupöbeln und wohl auch zu verletzen. Von letzterem wurde er zum Glück abgehalten.
Die Voluntärin hat sehr schnell die Situation erkannt und wie wild auf den Mann eingeredet. In der Zeit hat mich ein anderer Mann aus Abowinum zu sich gerufen und sich mit einem Messer zur Abwehr neben mich gestellt. Daraufhin ist der Mann weiter gezogen, die Situation war vorbei und ich mit Adrenalin voll gepumpt zwischen Verzweiflung, Einschüchterung und Dankbarkeit für die Zivilcourage.
Dieser negative Vorfall, diese krasse Erfahrung hat mir aber die Augen für die Freundlichkeit der Menschen in Ghana geöffnet. Ich bin als Europäer in Afrika, als Deutscher in Ghana, als Weißer unter Schwarzen, ich bin – wie man es in Deutschland gerne sagt – ein Ausländer und trotzdem werde ich überall freundlich behandelt und zum Teil bevorzugt.
Und nach fast sechs Monaten gelange ich zum ersten Mal in eine solche Situation. Ich glaube als Schwarze(r) in Deutschland hat man es bedeutend schwerer.
Heute kann ich über den Rassismus-Artikel, den ich auf den Blog vor ein paar Monaten geschrieben habe, teils lachen. Damals habe ich die Obroni-Rufe rassistisch eingestuft. Welch ein Schwachsinn! Hinter dem Wort Obroni verbirgt sich nichts negatives, vor allem wenn kleine Kinder mich so rufen, ist das zwar anstrengend, aber völlig in Ordnung.
Es ist wohl bedeutend unangenehmer für ein/e Schwarze/r, wenn er oder sie durch eine kleinere Ortschaft läuft und dort die oft auch negativen Blicke seines Umfeldes abbekommt. Genau das ist Rassismus und nicht das Obronirufen in Ghana.
In Deutschland vermisst man an vielen Stellen Zivilcourage und hier stellen sich die GhanaerInnen neben mich und beschützen mich. Das hat mich sehr beeindruckt.
In eine solche Situation bin ich bisher noch nicht geraten. Ich kann mich überall frei bewegen, brauche keine Angst zu haben. Da fühle ich mich manchmal selbst nachts in meiner Heimatstadt Gedern an manchen Ecken unsicherer.
Und dann stellen wir uns hin und behaupten altklug: Wir in Deutschland sind besser entwickelt als die Menschen in Ghana. Bei einer solchen Aussage kann es einem Übel werden. Es gibt so viel, was wir von den GhanaerInnen lernen können und wo wir unterentwickelt sind.
Wir könnten ja einfach anfangen, jeder rassistischen Anspielung, sei es auch nur einem Witz, etwas entgegen zu setzen. Das wäre ein Anfang, dass Immigranten, vor allem People of Color, nicht mehr ständig Opfer von Rassismus wären. Vielleicht brauchen sie dann auch irgendwann keine Angst mehr zu haben, nachts auf Nazis zu treffen.
Sonntag, 30. Januar 2011
Über das Gesundheitssystem
Ghana ist kurz nach meiner Ankunft von einem „low wage country“ zu einem „middle income country“ aufgestuft worden. Das bedeutet im weitesten Sinne, dass es in vielen Ländern auf der Welt mit der Gesundheitsversorgung nicht so gut steht wie in Ghana. Ich bin demnach froh, dass ich im Krankheitsfall in Ghana bin und in keinem anderen Land. Trotzdem wäre mir Deutschland oft lieber. Wieso? Lest weiter!
Malaria wird hier super behandelt, weil es
1. sehr gut getestet wird: In einem Labor entnimmt ein Angestellter mit sauberer Spritze und Nadel (die vor meinen Augen ausgepackt werden) Blut aus der Vene oder aus der Fingerspitze.
2. auch festgestellt wird, wenn man es gar nicht hat.
Malariaerreger hat man die meiste Zeit im Blut. Doch in kleiner Stückzahl kann der Körper sie auch selbst bekämpfen. In den Krankenhäusern bekommt man als Diagnose meistens MPS (+) aufgeschrieben. Man hat eine leichte Malaria.
Falls das Grund für sein Unwohlsein ist, scheint das alles kein Problem. Aber die Malariamedikamente und die Schmerzmittel, die man jedes Mal mitverschrieben bekommt, können nicht die Antwort auf jede Krankheit sein.
Die Struktur der Krankenhäuser ist in der Central Region, im südlichen Teil Ghanas, ausgesprochen gut. Es gibt in nahem Abstand sehr viele Krankenhäuser mit ausgebildeten Ärzten und/oder Ärtzinnen. Seit nicht allzu langer Zeit gibt es auch eine staatliche Krankenversicherung, die man für 15 Cedi (7,50 Euro) jährlich erwerben kann. Meiner Meinung nach können sich das die allermeisten GhanaerInnen auch leisten. Es gibt aber auch welche, die es sich nicht anschaffen wollen, die es versäumen oder einfach keine 15 Cedis auf der hohen Kante haben.
In kleinen Communities werden z.B. an Tuberkulose Erkrankte aus dem Dorf geschafft und so lange mit Nahrungsmittel versorgt, bis sie gestorben sind. Das ist zwar nicht schlecht, weil sich so die Krankheit nicht ausbreiten kann. Aber in Anbetracht unserer heutigen Möglichkeiten klingt das nach Mittelalter.
Manchmal werden Erkrankte auch nicht ins Krankenhaus gebracht, weil sie kein Geld haben. Die Person wird zuhause versorgt, bis sie stirbt. Dann aber werden mehrere hunderte Cedis für die Beerdigung ausgegeben oder die Cedis in die Kirchenkollekte geworfen. Die Prioritäten werden anders gesetzt: Lieber gibt man Geld für das Jenseits, als für das Diesseits aus.
Letzte Beispiele spielen sich aber vor allem im ländlichen Raum ab, vom Fetisch , der ab und zu noch praktiziert wird, einmal abgesehen. In Accra ist das Bild völlig anders. Hier gibt es Krankenhäuser, die mit besten Standards ausgerüstet sind. Auch private Krankenhäuser haben sich etabliert.
Private Krankenhäuser - das ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Lustigerweise besitzen manche Ärzte/Ärztinnen, die bei staatlichen Krankenhäusern angestellt sind, ein privates Krankenhaus. Da der Mensch auch in Ghana nicht zur gleichen Zeit an zwei Orten sein kann, besetzt der Arzt/ die Ärztin statt einer Vollstelle weniger als eine halbe Stelle im staatlichen Krankenhaus. Die riesigen Schlangen, die auf den Doktor warten werden dann von einem Assistenten behandelt. Der Assistent oder die Assistentin ist für diese Stelle völlig unterqualifiziert, trägt aber dieselbe Verantwortung wie ein Doktor. Das ist nicht nur Hörensagen, sondern mein eigenes Erlebnis.
Ich lebe – wenn man Ajumako mit Accra vergleichen will – auf dem Land. Die Krankenhäuser sind trotz ihrer Vielzahl überlaufen und die Ärzte (ein Arzt pro Krankenhaus) unterbesetzt. Da bleibt nicht viel Zeit für die Behandlung und man fühlt sich – noch schlimmer als in Deutschland – in einer Massenabfertigung, oft durch Assistenten mit unzureichender Qualifikation.
Da sind plötzlich Schmerzen im rechten Bauchraum ganz klar Zeichen für eine Malaria. Ohne einmal den Bauch abzutasten bekommt man Malariamittel und Schmerzmittel verschrieben. Auf eine Spritze wegen den Schmerzen in den Magen habe ich verzichtet. Stellt euch vor, welches Unheil dort angerichtet werden kann!
Entweder fehlt mir das Vertrauen oder den Ärzten mangelt es an einer guten Ausbildung. Auf jeden Fall fühle ich mich in Ajumako bei einer ernsten Krankheit, die eine leichte Malaria überschreitet, schlicht und ergreifend unsicher.
Dann fahre ich doch lieber nach Accra in ein Privatkrankenhaus. Ich habe – durch meine Versicherung aus Deutschland – die freie Wahl, wenn es um Arzt/Ärztin und Krankenhaus geht. Diejenigen, die viel Geld haben, besuchen private Krankenhäuser, weil die Behandlung dort schneller, besser und teurer ist. Und diejenigen, die nicht auf der Bright Side of Life leben, müssen sich mit dem Urteilsvermögen teils Unqualifizierter unterwerfen.
Ob das Geschriebene der objektiven Wirklichkeit entspricht, würde ich infrage stellen. In meinem Umfeld geht es den Menschen „gut“, sodass sie sich eine ärztliche Behandlung leisten sollten. Von anderen Freiwilligen, die in einem Slum in Accra arbeiten, hört man anderes. Ich muss noch viel sehen und erfahren, um mein Bild von Ghana zu konkretisieren.
Malaria wird hier super behandelt, weil es
1. sehr gut getestet wird: In einem Labor entnimmt ein Angestellter mit sauberer Spritze und Nadel (die vor meinen Augen ausgepackt werden) Blut aus der Vene oder aus der Fingerspitze.
2. auch festgestellt wird, wenn man es gar nicht hat.
Malariaerreger hat man die meiste Zeit im Blut. Doch in kleiner Stückzahl kann der Körper sie auch selbst bekämpfen. In den Krankenhäusern bekommt man als Diagnose meistens MPS (+) aufgeschrieben. Man hat eine leichte Malaria.
Falls das Grund für sein Unwohlsein ist, scheint das alles kein Problem. Aber die Malariamedikamente und die Schmerzmittel, die man jedes Mal mitverschrieben bekommt, können nicht die Antwort auf jede Krankheit sein.
Die Struktur der Krankenhäuser ist in der Central Region, im südlichen Teil Ghanas, ausgesprochen gut. Es gibt in nahem Abstand sehr viele Krankenhäuser mit ausgebildeten Ärzten und/oder Ärtzinnen. Seit nicht allzu langer Zeit gibt es auch eine staatliche Krankenversicherung, die man für 15 Cedi (7,50 Euro) jährlich erwerben kann. Meiner Meinung nach können sich das die allermeisten GhanaerInnen auch leisten. Es gibt aber auch welche, die es sich nicht anschaffen wollen, die es versäumen oder einfach keine 15 Cedis auf der hohen Kante haben.
In kleinen Communities werden z.B. an Tuberkulose Erkrankte aus dem Dorf geschafft und so lange mit Nahrungsmittel versorgt, bis sie gestorben sind. Das ist zwar nicht schlecht, weil sich so die Krankheit nicht ausbreiten kann. Aber in Anbetracht unserer heutigen Möglichkeiten klingt das nach Mittelalter.
Manchmal werden Erkrankte auch nicht ins Krankenhaus gebracht, weil sie kein Geld haben. Die Person wird zuhause versorgt, bis sie stirbt. Dann aber werden mehrere hunderte Cedis für die Beerdigung ausgegeben oder die Cedis in die Kirchenkollekte geworfen. Die Prioritäten werden anders gesetzt: Lieber gibt man Geld für das Jenseits, als für das Diesseits aus.
Letzte Beispiele spielen sich aber vor allem im ländlichen Raum ab, vom Fetisch , der ab und zu noch praktiziert wird, einmal abgesehen. In Accra ist das Bild völlig anders. Hier gibt es Krankenhäuser, die mit besten Standards ausgerüstet sind. Auch private Krankenhäuser haben sich etabliert.
Private Krankenhäuser - das ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Lustigerweise besitzen manche Ärzte/Ärztinnen, die bei staatlichen Krankenhäusern angestellt sind, ein privates Krankenhaus. Da der Mensch auch in Ghana nicht zur gleichen Zeit an zwei Orten sein kann, besetzt der Arzt/ die Ärztin statt einer Vollstelle weniger als eine halbe Stelle im staatlichen Krankenhaus. Die riesigen Schlangen, die auf den Doktor warten werden dann von einem Assistenten behandelt. Der Assistent oder die Assistentin ist für diese Stelle völlig unterqualifiziert, trägt aber dieselbe Verantwortung wie ein Doktor. Das ist nicht nur Hörensagen, sondern mein eigenes Erlebnis.
Ich lebe – wenn man Ajumako mit Accra vergleichen will – auf dem Land. Die Krankenhäuser sind trotz ihrer Vielzahl überlaufen und die Ärzte (ein Arzt pro Krankenhaus) unterbesetzt. Da bleibt nicht viel Zeit für die Behandlung und man fühlt sich – noch schlimmer als in Deutschland – in einer Massenabfertigung, oft durch Assistenten mit unzureichender Qualifikation.
Da sind plötzlich Schmerzen im rechten Bauchraum ganz klar Zeichen für eine Malaria. Ohne einmal den Bauch abzutasten bekommt man Malariamittel und Schmerzmittel verschrieben. Auf eine Spritze wegen den Schmerzen in den Magen habe ich verzichtet. Stellt euch vor, welches Unheil dort angerichtet werden kann!
Entweder fehlt mir das Vertrauen oder den Ärzten mangelt es an einer guten Ausbildung. Auf jeden Fall fühle ich mich in Ajumako bei einer ernsten Krankheit, die eine leichte Malaria überschreitet, schlicht und ergreifend unsicher.
Dann fahre ich doch lieber nach Accra in ein Privatkrankenhaus. Ich habe – durch meine Versicherung aus Deutschland – die freie Wahl, wenn es um Arzt/Ärztin und Krankenhaus geht. Diejenigen, die viel Geld haben, besuchen private Krankenhäuser, weil die Behandlung dort schneller, besser und teurer ist. Und diejenigen, die nicht auf der Bright Side of Life leben, müssen sich mit dem Urteilsvermögen teils Unqualifizierter unterwerfen.
Ob das Geschriebene der objektiven Wirklichkeit entspricht, würde ich infrage stellen. In meinem Umfeld geht es den Menschen „gut“, sodass sie sich eine ärztliche Behandlung leisten sollten. Von anderen Freiwilligen, die in einem Slum in Accra arbeiten, hört man anderes. Ich muss noch viel sehen und erfahren, um mein Bild von Ghana zu konkretisieren.
Samstag, 1. Januar 2011
Weihnachtszeit oder Monat der Schwäche
Ich musste in diesem Winter noch kein einziges Mal Schnee schippen, denn anders als in Deutschland habe ich 35° C und Sonnenschein und statt Schnee an Heiligabend gab es weiße Sandstrände.
Weihnachten am Strand, Silvester in der Hauptstadt in Accra. Das sind zwei Programmpunkte, die man sich doch gefallen lassen kann. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen habe ich mich an Heiligabend vom ghanaischen Leben abgekapselt und Heiligabend nicht in der Kirche, sondern unter Palmen gefeiert. Am Samstag, den 25. Dezember, wurde meine Erwartung an den Rückzug ins Familäre und demnach menschenleer(eren) Straßen zerstört, als ich in Cape Coast auf dasselbe Markttreiben gestoßen bin, wie an jedem Samstag. Da wird mir erzählt, dass die GhanaerInnen alle Feiertage fast ausschließlich in der Kirche verbringen und dann wird man so geschockt. Von dem Zwischenziel CapeCoast ging es weiter nach Mankessim, wo eine Gastmutter uns alle zum Weihnachtsessen eingeladen hatte. Es gab die komplette Auswahl ghanaischer Gerichte im Überfluss. Doch Überfluss bedeutet hier nicht Wegwerfgesellschaft. Nachdem wir alle satt waren, wurden noch um die 30 Kinder aus der Nachbarschaft mitverköstigt. Wer viel hat, gibt was ab. So verkehrt ist dieses Prinzip nicht.
Silvester in Accra, der Hauptstadt Ghanas, wo man Käse und Salami kaufen, in Fastfoodläden essen und sich wie in einer europäischen Hauptstadt fühlen kann. Das klingt nicht nur toll, das war es auch. Wieder gemeinsam mit anderen Freiwilligen und Freunden waren wir in einer Skybar mit dem Überblick über Accra und haben um kurz nach 12 mit Cocktails auf das neue Jahr angestoßen. Wieder einmal ghanaisch untypisch, denn wir haben einer Bar den Vorzug der Kirche gegeben. Auch Silvester feiern die meisten GhanaerInnen in der Kirche, genauso wie Neujahr.
Warum nun Monat der Schwäche, wenn sich alles stark anhört? Ganz einfach: Weihnachten und Silvester habe ich nicht nur mit anderen Freiwilligen, sondern auch mit Malaria und einer leichten Lebensmittelvergiftung gefeiert.
Eine Woche vor Weihnachten hatte ich mich schlapp gefühlt und bin deshalb ins Labor zum Bluttest. Das Resultat war „mps (+)“, mps steht für malaria-parasites und das (+) für die Stärke der Malaria. Die schwächste Form ist (+), die stärkste (+++). Ich habe Medikamente für drei Tage bekommen und Schmerzmittel. Da ich noch recht fit war, habe ich darauf verzichtet mich ins Bett zu legen. Die Quittung kam recht schnell und ich war zwangsläufig ans Bett gefesselt. Nach drei Tagen war der Spuk aber wieder vorbei. Fazit: Malaria (Oh mein Schreck!) wird in Deutschland völlig überbewertet. Die Ärzte hier in Ghana kennen sich durch die ständige Konfrontation bestens damit aus und die Spritzen, die benutzt werden, entsprechen europäischen Standards. In Ghana eine leichte Malaria zu haben, ist demnach dasselbe wie eine Erkältung in Deutschland: Solange man sie nicht auf die leichte Schulter nimmt, ungefährlich.
Vier Tage vor Silvester habe ich mich einen Abend wieder unwohl gefühlt. Schubweise ging es mir gut und dann wieder schlecht. Als ich in Accra angekommen bin, habe ich mich so unwohl gefühlt, dass ich ein Krankenhaus aufgesucht habe. Sponsor des Privatkrankenhauses war ein Getränkehersteller und im Ärztezimmer - während der Untersuchung durch den Doktor - hat eine Assistentin in Facebook gesurft. Diesmal war es keine Malaria und der Doktor hat auf eine leichte Lebensmittelvergiftung spekuliert. Ausgestattet mit Elektrolyten und Schmerzmitteln habe ich die Silvesterfeier immerhin bis 1 Uhr durchgestanden, ehe ich erschöpft ins Bett gefallen bin.
Dann noch eine kleine Sache, von der ich berichten will: Wenn in Ghana Feiertage auf das Wochenende fallen, werden die automatisch auf die Werktage verschoben. Beispiel: Der 25. und 26. Dezember waren Samstag und Sonntag, deshalb waren Montag und Dienstag gesetzliche Feiertage. Wir sollten anfangen von Ghana zu lernen!
Weihnachten am Strand, Silvester in der Hauptstadt in Accra. Das sind zwei Programmpunkte, die man sich doch gefallen lassen kann. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen habe ich mich an Heiligabend vom ghanaischen Leben abgekapselt und Heiligabend nicht in der Kirche, sondern unter Palmen gefeiert. Am Samstag, den 25. Dezember, wurde meine Erwartung an den Rückzug ins Familäre und demnach menschenleer(eren) Straßen zerstört, als ich in Cape Coast auf dasselbe Markttreiben gestoßen bin, wie an jedem Samstag. Da wird mir erzählt, dass die GhanaerInnen alle Feiertage fast ausschließlich in der Kirche verbringen und dann wird man so geschockt. Von dem Zwischenziel CapeCoast ging es weiter nach Mankessim, wo eine Gastmutter uns alle zum Weihnachtsessen eingeladen hatte. Es gab die komplette Auswahl ghanaischer Gerichte im Überfluss. Doch Überfluss bedeutet hier nicht Wegwerfgesellschaft. Nachdem wir alle satt waren, wurden noch um die 30 Kinder aus der Nachbarschaft mitverköstigt. Wer viel hat, gibt was ab. So verkehrt ist dieses Prinzip nicht.
Silvester in Accra, der Hauptstadt Ghanas, wo man Käse und Salami kaufen, in Fastfoodläden essen und sich wie in einer europäischen Hauptstadt fühlen kann. Das klingt nicht nur toll, das war es auch. Wieder gemeinsam mit anderen Freiwilligen und Freunden waren wir in einer Skybar mit dem Überblick über Accra und haben um kurz nach 12 mit Cocktails auf das neue Jahr angestoßen. Wieder einmal ghanaisch untypisch, denn wir haben einer Bar den Vorzug der Kirche gegeben. Auch Silvester feiern die meisten GhanaerInnen in der Kirche, genauso wie Neujahr.
Warum nun Monat der Schwäche, wenn sich alles stark anhört? Ganz einfach: Weihnachten und Silvester habe ich nicht nur mit anderen Freiwilligen, sondern auch mit Malaria und einer leichten Lebensmittelvergiftung gefeiert.
Eine Woche vor Weihnachten hatte ich mich schlapp gefühlt und bin deshalb ins Labor zum Bluttest. Das Resultat war „mps (+)“, mps steht für malaria-parasites und das (+) für die Stärke der Malaria. Die schwächste Form ist (+), die stärkste (+++). Ich habe Medikamente für drei Tage bekommen und Schmerzmittel. Da ich noch recht fit war, habe ich darauf verzichtet mich ins Bett zu legen. Die Quittung kam recht schnell und ich war zwangsläufig ans Bett gefesselt. Nach drei Tagen war der Spuk aber wieder vorbei. Fazit: Malaria (Oh mein Schreck!) wird in Deutschland völlig überbewertet. Die Ärzte hier in Ghana kennen sich durch die ständige Konfrontation bestens damit aus und die Spritzen, die benutzt werden, entsprechen europäischen Standards. In Ghana eine leichte Malaria zu haben, ist demnach dasselbe wie eine Erkältung in Deutschland: Solange man sie nicht auf die leichte Schulter nimmt, ungefährlich.
Vier Tage vor Silvester habe ich mich einen Abend wieder unwohl gefühlt. Schubweise ging es mir gut und dann wieder schlecht. Als ich in Accra angekommen bin, habe ich mich so unwohl gefühlt, dass ich ein Krankenhaus aufgesucht habe. Sponsor des Privatkrankenhauses war ein Getränkehersteller und im Ärztezimmer - während der Untersuchung durch den Doktor - hat eine Assistentin in Facebook gesurft. Diesmal war es keine Malaria und der Doktor hat auf eine leichte Lebensmittelvergiftung spekuliert. Ausgestattet mit Elektrolyten und Schmerzmitteln habe ich die Silvesterfeier immerhin bis 1 Uhr durchgestanden, ehe ich erschöpft ins Bett gefallen bin.
Dann noch eine kleine Sache, von der ich berichten will: Wenn in Ghana Feiertage auf das Wochenende fallen, werden die automatisch auf die Werktage verschoben. Beispiel: Der 25. und 26. Dezember waren Samstag und Sonntag, deshalb waren Montag und Dienstag gesetzliche Feiertage. Wir sollten anfangen von Ghana zu lernen!
Sonntag, 12. Dezember 2010
Repent – Jesus is coming soon
In Ghana gibt es einen Industriesektor, der seine Wurzeln in der Kolonialzeit hat, aber noch heute eine Zustimmung widerfährt, die seines gleichen sucht. Aufgedrängt von der westlichen Welt beutet er die Menschen in Ghana aus, scheut selbst vor den Ärmsten nicht zurück, baut weitere Einrichtungen, die den Menschen stupide Gedanken in den Kopf pflanzen und vertuscht alles unter dem Deckmantel des Glaubens. In diesem Text geht es um die Institution Kirche.
Church of Pentecoast, Zeugen Jehovas, Gospelchurch, Lighthouse Chapel, Methodist Church (...) sind nur eine kleine Auswahl von Kirchen, auf die man in Ghana trifft. Nicht nur in den größeren Städten, sondern wirklich überall. Selbst die kleinsten Dörfer haben mehr als eine Kirche. Auf der Heckscheibe eines jeden Taxis und Trotros sind kirchliche Sprüche angebracht wie „Prayers only“, „Jesus is my friend“ und „God is with me“. Auch in der Alltagssprache ist die Kirche integriert. So beantwortet man die Frage nach seinem Gemütszustand oft mit „By Gods Grace I am fine“. Die Menschen gehen regelmäßig zur Kirche und auch nicht nur einmal pro Woche. Die SchülerInnen beten vor der Schule und nach der Schule. Der Trotro- und Taxi-Fahrer betet bei Abreise und Ankunft. Meine Mitbewohnerinnen singen Tag und Nacht Kirchenlieder. Das Radio strahlt Predigen aus. Die Kirche in Ghana ist omnipräsent.
Ich habe nichts gegen den Glauben der Menschen, sondern vielmehr gegen die Institution Kirche, die ihre Stellung in der Gesellschaft ausnutzt, indem sie den Menschen Geld aus der Tasche zieht und Blödsinn erzählt. Wusstet ihr, dass man unverheiratete Frauen ab 30 Jahren meiden soll? Man solle den Kontakt zu ihnen abbrechen. Das ist kein schlechter Witz, sondern der Inhalt einer neulich gehörten Predigt im Radio.
Andere Kirchen, in diesem Fall die Zeugen Jehovas, predigen, dass das Leben auf der Erde nur eine Phase sei, die man durchzustehen habe. Damit zerstört man die Motivation seine derzeitige Lage zu verbessern. Der Fortschritt wird im Keim erstickt.
Wie gesagt verzapfen die Kirchen nicht nur verbales Diarrhö, sondern ziehen den Menschen horente Summen Geld aus den Taschen. Als Beispiel führe ich die Beerdigung in einer Mthodist-Church an: Mehrmals während des Gottesdienstes und der Trauerfeier ging der Pfarrer / Priester weg von der Predigt hin zum Geldeintreiben. „Wer hat 20 Cedi? Wer wirft 20 Cedi in den Topf?“ Viele Menschen werfen tatsächlich 20 Cedi hinein. 20 Cedi sind zwar nur 10 Euro, entsprechen aber oft einem Viertel Monatslohn. Wer bei 20 Cedi noch nichts in den Topf wirft, ist spätestens bei 10 Cedi oder 5 Cedi an der Reihe. Bei mehrmaliger Widerholung kommen schon große Summen beisammen.
... und dann können Eltern ihren Kindern die Schulgebühren, Stifte und Hefte nicht bezahlen. Vielen Dank!
Die Kirche wird nicht kritisch hinterfragt. Im Gegenteil: Wer sich kritisch gegenüber der Kirche äußert, wird mit Unverständnis angeblickt und im schlimmsten Fall gemieden. Es ist nicht gerade einfach in eine Diskussion zu kommen, in der nicht gleich mit Gott argumentiert wird.
Andererseits kann man es den Menschen nicht Übel nehmen nach dem scheinbar rettenden Arm der Kirche zu greifen. Zumindest bei dem schlechten Zustand der Autos und den waghalsigen Überholmanövern brauchen die Fahrer etwas, auf das sie sich verlassen können und dem sie vertrauen. In den Kirchen wird getanzt und gefeiert. Die Menschen können ihren oftmals harten Arbeitsalltag und ihre Sorgen abwerfen und gehen auf in ihrem Glauben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kirchen in Ghana die Menschen fest im Griff haben und durch die Einbeziehung von Traditionellem für immer höhere Zustimmung sorgen.
Church of Pentecoast, Zeugen Jehovas, Gospelchurch, Lighthouse Chapel, Methodist Church (...) sind nur eine kleine Auswahl von Kirchen, auf die man in Ghana trifft. Nicht nur in den größeren Städten, sondern wirklich überall. Selbst die kleinsten Dörfer haben mehr als eine Kirche. Auf der Heckscheibe eines jeden Taxis und Trotros sind kirchliche Sprüche angebracht wie „Prayers only“, „Jesus is my friend“ und „God is with me“. Auch in der Alltagssprache ist die Kirche integriert. So beantwortet man die Frage nach seinem Gemütszustand oft mit „By Gods Grace I am fine“. Die Menschen gehen regelmäßig zur Kirche und auch nicht nur einmal pro Woche. Die SchülerInnen beten vor der Schule und nach der Schule. Der Trotro- und Taxi-Fahrer betet bei Abreise und Ankunft. Meine Mitbewohnerinnen singen Tag und Nacht Kirchenlieder. Das Radio strahlt Predigen aus. Die Kirche in Ghana ist omnipräsent.
Ich habe nichts gegen den Glauben der Menschen, sondern vielmehr gegen die Institution Kirche, die ihre Stellung in der Gesellschaft ausnutzt, indem sie den Menschen Geld aus der Tasche zieht und Blödsinn erzählt. Wusstet ihr, dass man unverheiratete Frauen ab 30 Jahren meiden soll? Man solle den Kontakt zu ihnen abbrechen. Das ist kein schlechter Witz, sondern der Inhalt einer neulich gehörten Predigt im Radio.
Andere Kirchen, in diesem Fall die Zeugen Jehovas, predigen, dass das Leben auf der Erde nur eine Phase sei, die man durchzustehen habe. Damit zerstört man die Motivation seine derzeitige Lage zu verbessern. Der Fortschritt wird im Keim erstickt.
Wie gesagt verzapfen die Kirchen nicht nur verbales Diarrhö, sondern ziehen den Menschen horente Summen Geld aus den Taschen. Als Beispiel führe ich die Beerdigung in einer Mthodist-Church an: Mehrmals während des Gottesdienstes und der Trauerfeier ging der Pfarrer / Priester weg von der Predigt hin zum Geldeintreiben. „Wer hat 20 Cedi? Wer wirft 20 Cedi in den Topf?“ Viele Menschen werfen tatsächlich 20 Cedi hinein. 20 Cedi sind zwar nur 10 Euro, entsprechen aber oft einem Viertel Monatslohn. Wer bei 20 Cedi noch nichts in den Topf wirft, ist spätestens bei 10 Cedi oder 5 Cedi an der Reihe. Bei mehrmaliger Widerholung kommen schon große Summen beisammen.
... und dann können Eltern ihren Kindern die Schulgebühren, Stifte und Hefte nicht bezahlen. Vielen Dank!
Die Kirche wird nicht kritisch hinterfragt. Im Gegenteil: Wer sich kritisch gegenüber der Kirche äußert, wird mit Unverständnis angeblickt und im schlimmsten Fall gemieden. Es ist nicht gerade einfach in eine Diskussion zu kommen, in der nicht gleich mit Gott argumentiert wird.
Andererseits kann man es den Menschen nicht Übel nehmen nach dem scheinbar rettenden Arm der Kirche zu greifen. Zumindest bei dem schlechten Zustand der Autos und den waghalsigen Überholmanövern brauchen die Fahrer etwas, auf das sie sich verlassen können und dem sie vertrauen. In den Kirchen wird getanzt und gefeiert. Die Menschen können ihren oftmals harten Arbeitsalltag und ihre Sorgen abwerfen und gehen auf in ihrem Glauben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kirchen in Ghana die Menschen fest im Griff haben und durch die Einbeziehung von Traditionellem für immer höhere Zustimmung sorgen.
Dienstag, 23. November 2010
Drei Monate Ghana: Kleiner Zwischenbericht
Nachdem mich der krähende Hahn seit 4:30 Uhr nicht mehr schlafen lässt, gebe ich seinen Weckgeräuschen nach einer Stunde resignierend nach, schlüpfe in meine Laufschuhe oder gehe alternativ Wasser holen und wasche meine Wäsche. Im Anschluss frühstücken wir zusammen. Highlight jeden Morgen ist das selbstgemachte Müsli mit frischen Bananen.
Manchmal fahre ich mit unserer NGO vormittags in kleine Communities, aber meistens bereite ich den Unterricht für den KidsClub vor, gehe den Hausarbeiten nach und nehme mir viel Zeit für mich selbst, denn die ganzen Erfahrungen wollen festgehalten und verarbeitet werden.
Mein Hauptprojekt sind die nachmittags stattfindenden KidsClubs. Bislang habe ich nach der Kennenlernphase Mathematik unterrichtet, stets gekoppelt mit kreativen Einheiten, Spielen und Sport. Und so langsam habe ich auch das Gefühl, dass es bei den SchülerInnen ankommt.
Gegen 16 Uhr bin ich spätestens zuhause. Abends kochen wir gemeinsam. Die ghanaische Küche versuchen wir hier und dort mit der deutschen, italienischen und asiatischen zu verbinden. Ich lerne viel von unseren ghanaischen Mitbewohnerinnen.
An den Wochenenden hält mich nicht so viel in dem kleinen Dorf in Ajumako. An den Wochenenden habe ich mittlerweile die Atlantikküste vollständig entdeckt. Ich war zu einem Bierfest in Lomé (Hauptstadt Togos), drei Tage in Accra, in den Städten CapeCoast und Takoradi und am letzten Wochenende in dem Stelzendorf Nzulezu und dem südlichsten Punkt Ghanas, dem Cape Three Point.
Durch die Ausflüge lernt man Ghanas Umwelt und Natur kennen, ähnlich wie ein Tourist auf seiner Abenteuertour. Doch um Ghana wirklich kennen zu lernen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, läuft kein Weg an persönlichen Gesprächen vorbei. Es ist der Erfahrungsaustausch, der das eigene Verhalten und die deutsche Kultur in Frage stellen und die ghanaische Lebensweise erklären. So bin ich mittlerweile zur Einsicht gekommen, dass ich mir auf meine weiße Hautfarbe nicht so viel einzubilden brauche, denn auch ghanaische LehrerInnen werden von den SchülerInnen angebettelt.
Das Miteinander in der NGO ist sehr gesellig. Abends sitzen wir manchmal beisammen, essen gemeinsam und reden über Gott und die Welt. Interessant ist es, dass die Gespräche dieselben sind, wie wir sie auch in Deutschland führen würden. Und genau an solch einem Abend hat es bei mir „Klick“ gemacht und ich habe mich das erste Mal in Ghana zuhause gefühlt. Ghana war plötzlich nicht mehr fremd, die vielen Unterschiede waren plötzlich mickrig klein im Gegensatz zu den vielen Gemeinsamkeiten.
Mit einem Freund, den wir in einem Dorf besucht haben, waren wir auf einer Farm und haben Kokosnüsse und Casava (Knollengemüse) geerntet, haben eine Beerdigung besucht und mit der NGO waren wir auf einer Hochzeit einer Mitarbeiterin.
Ich bin gespannt auf die nächsten 9 Monate in Ghana, zeitgleich freue ich mich auf meine Heimat Deutschland. Denn an dem Zitat „Heimat ist dort, wo Familie und Freunde wohnen“ ist auf alle Fälle etwas dran!
Manchmal fahre ich mit unserer NGO vormittags in kleine Communities, aber meistens bereite ich den Unterricht für den KidsClub vor, gehe den Hausarbeiten nach und nehme mir viel Zeit für mich selbst, denn die ganzen Erfahrungen wollen festgehalten und verarbeitet werden.
Mein Hauptprojekt sind die nachmittags stattfindenden KidsClubs. Bislang habe ich nach der Kennenlernphase Mathematik unterrichtet, stets gekoppelt mit kreativen Einheiten, Spielen und Sport. Und so langsam habe ich auch das Gefühl, dass es bei den SchülerInnen ankommt.
Gegen 16 Uhr bin ich spätestens zuhause. Abends kochen wir gemeinsam. Die ghanaische Küche versuchen wir hier und dort mit der deutschen, italienischen und asiatischen zu verbinden. Ich lerne viel von unseren ghanaischen Mitbewohnerinnen.
An den Wochenenden hält mich nicht so viel in dem kleinen Dorf in Ajumako. An den Wochenenden habe ich mittlerweile die Atlantikküste vollständig entdeckt. Ich war zu einem Bierfest in Lomé (Hauptstadt Togos), drei Tage in Accra, in den Städten CapeCoast und Takoradi und am letzten Wochenende in dem Stelzendorf Nzulezu und dem südlichsten Punkt Ghanas, dem Cape Three Point.
Durch die Ausflüge lernt man Ghanas Umwelt und Natur kennen, ähnlich wie ein Tourist auf seiner Abenteuertour. Doch um Ghana wirklich kennen zu lernen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, läuft kein Weg an persönlichen Gesprächen vorbei. Es ist der Erfahrungsaustausch, der das eigene Verhalten und die deutsche Kultur in Frage stellen und die ghanaische Lebensweise erklären. So bin ich mittlerweile zur Einsicht gekommen, dass ich mir auf meine weiße Hautfarbe nicht so viel einzubilden brauche, denn auch ghanaische LehrerInnen werden von den SchülerInnen angebettelt.
Das Miteinander in der NGO ist sehr gesellig. Abends sitzen wir manchmal beisammen, essen gemeinsam und reden über Gott und die Welt. Interessant ist es, dass die Gespräche dieselben sind, wie wir sie auch in Deutschland führen würden. Und genau an solch einem Abend hat es bei mir „Klick“ gemacht und ich habe mich das erste Mal in Ghana zuhause gefühlt. Ghana war plötzlich nicht mehr fremd, die vielen Unterschiede waren plötzlich mickrig klein im Gegensatz zu den vielen Gemeinsamkeiten.
Mit einem Freund, den wir in einem Dorf besucht haben, waren wir auf einer Farm und haben Kokosnüsse und Casava (Knollengemüse) geerntet, haben eine Beerdigung besucht und mit der NGO waren wir auf einer Hochzeit einer Mitarbeiterin.
Ich bin gespannt auf die nächsten 9 Monate in Ghana, zeitgleich freue ich mich auf meine Heimat Deutschland. Denn an dem Zitat „Heimat ist dort, wo Familie und Freunde wohnen“ ist auf alle Fälle etwas dran!
Dienstag, 12. Oktober 2010
Zwischen Privileg und Rassismus
Es ist Samstagmorgen, 9 Uhr. Ich laufe über die Zeil in Frankfurt. In der rechten Hand halte ich einen Starbuckskaffee, die linke Hand schwingt schnell hin und her, ich laufe stramm. Auf dem Weg zum Mainufer bleibe ich vor dem Römer stehen und schaue mir ein Hochzeitspaar an. Plötzlich entdecke ich einen Schwarzen, der mir in 200 Meter Entfernung entgegenkommt und ich brülle über den ganzen Römerplatz: „Schwarzer Mensch!“ Die Aufmerksamkeit gilt nun nicht mehr den frisch Verheiratenden, sondern dem Schwarzen. Weitere Leute, darunter auch das Brautpaar, stimmen mit ein: „Schwarzer Mensch!“. Ich spüre wie es dem Schwarzen unangenehmer wird so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, aber das ist mir egal. Vorsichtig nähere ich mich ihm. Ich muss ihn anfassen. Seine Haut fühlt sich bestimmt anders an. Ich habe einen Schluck von meinem Kaffee verschüttet, aber es hat sich gelohnt. Es ist doch keine Farbe, er ist wirklich schwarz. Noch einmal rufe ich ihm „Schwarzer Mann“ hinterher und schon ist er um die Ecke gebogen.
Eine solche Geschichte kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Schließlich ist das rassistisch!
In Ghana bin ich mit „Obroni“-Rufen (Weißer Mann) jedes Mal, wenn ich auf die Straße, in den Ort, auf den Markt und in die Schule gehe, konfrontiert. Doch im Gegensatz zu Deutschland ist das hier kein Rassimus. In Ghana spricht man von dem Privileg weiß zu sein. Ich werde von vielen GhanaerInnen zum Essen eingeladen, sitze bei Veranstaltungen neben den Chiefs und Stammesältesten ohne das Dorf und die Menschen zu kennen und habe im Durchschnitt mehr Geld als die GhanaerInnen zur Verfügung, denn ich bin weiß. Das Geld ist Grund dafür, dass ich eine hohe Aufmerksamkeit bekomme. Ich werde von zahlreichen Fremden angesprochen. Die einen grüßen nur freundlich, die anderen wollen meine Handynummer und meine Freundschaft. Manche laden sich bei mir zum Essen ein, wollen mit nach Deutschland genommen werden oder betteln um ein paar Cedi. Das Schlimmste aber sind die Obroni-Rufe. Ich fühle mich nicht wohl dabei, dass die GhanaerInnen meine Hautfarbe sehen, mir demnach den Namen geben und die Person dahinter ausblenden. Ich bin nicht Torben, sondern der reiche Weiße aus Europa. Nicht nur, dass es mir sehr unangenehm ist so genannt zu werden, auf dem Markt und in den Taxis bekommen wir fast jedes Mal höhere Preise genannt. Diskriminierung? Rassismus? Privileg?
Ein Privileg ist ein Vorrecht, dass einer Person oder Personengruppe zugestanden wird. Rassismus ist eine ethnisierte Gruppenbildung (z.B. Weiß / Schwarz), die Abwertung einer Gruppe und die dazugehörige Macht eine Ungleichbehandlung zu erzeugen.
Ich komme aus Europa, kann reisen wohin ich will und habe genügend Geld. Ich habe eine bevorzugte Stellung im Gegensatz zu den meisten GhanaerInnen, für die ein Besuch in Europa auch wegen Geldgründen undenkbar wäre. Ich habe das Privileg weiß zu sein.
Ich bin weiß. Die GhanaerInnen sehen meine Hautfarbe und nehmen mich als Einzelnen nicht mehr wahr. Und da viele GhanaerInnen das so sehen und mich nach meiner Hautfarbe werten, ist die gesellschaftliche Ungleichbehandlung erzeugt. Rassistische Diskriminierung findet bei mir auf der Ebene der individuellen Nicht-Anerkennung und Benachteiligung statt.
Bin ich nun ein Nutznießer des Privilegs weiß zu sein oder Opfer von Rassismus?
Ich muss mir hier keine Gedanken über Geld machen, habe somit genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, (in der Regel) fließendes Wasser und Strom. Ich bin ein reicher Mann, Deutschland sponsert mich. Ich fühle mich als Nutznießer des Privilegs.
In dem Moment, wo ich auf die Straße gehe, fühle ich mich durch die hohe Aufmerksamkeit und Obroni-Rufe diskriminiert. Ich fühle mich unwohl, fremd und ausgeschlossen. Doch man kann nicht in die Köpfe der Menschen hineinschauen. Woher soll ich wissen, welches Bild die GhanerInnen vor Augen haben, wenn sie mich „Weißer Mann“ rufen? Ist es neutral oder wertend? Für mich persönlich ist es zweiteres. Ich fühle mich als Opfer von Rassismus. Aber natürlich kann man den Rassismus hier nicht mit der Judenhetze im dritten Reich oder der Rassentrennung in den USA gleichsetzen. Ich trage keinen körperlichen Schaden.
Privileg und Rassismus sind anscheinend verflochten. Jeder muss selbst für sich ausmachen, wann er sich diskriminiert oder bevorzugt fühlt. Man kann nicht pauschalisieren und nur eine Antwort auf die Frage „Privileg oder Rassismus“ finden. In Deutschland werden Schwarze in der Öffentlichkeit eher ignoriert, hier widerfährt mir die größte Aufmerksamkeit.
Eine solche Geschichte kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Schließlich ist das rassistisch!
In Ghana bin ich mit „Obroni“-Rufen (Weißer Mann) jedes Mal, wenn ich auf die Straße, in den Ort, auf den Markt und in die Schule gehe, konfrontiert. Doch im Gegensatz zu Deutschland ist das hier kein Rassimus. In Ghana spricht man von dem Privileg weiß zu sein. Ich werde von vielen GhanaerInnen zum Essen eingeladen, sitze bei Veranstaltungen neben den Chiefs und Stammesältesten ohne das Dorf und die Menschen zu kennen und habe im Durchschnitt mehr Geld als die GhanaerInnen zur Verfügung, denn ich bin weiß. Das Geld ist Grund dafür, dass ich eine hohe Aufmerksamkeit bekomme. Ich werde von zahlreichen Fremden angesprochen. Die einen grüßen nur freundlich, die anderen wollen meine Handynummer und meine Freundschaft. Manche laden sich bei mir zum Essen ein, wollen mit nach Deutschland genommen werden oder betteln um ein paar Cedi. Das Schlimmste aber sind die Obroni-Rufe. Ich fühle mich nicht wohl dabei, dass die GhanaerInnen meine Hautfarbe sehen, mir demnach den Namen geben und die Person dahinter ausblenden. Ich bin nicht Torben, sondern der reiche Weiße aus Europa. Nicht nur, dass es mir sehr unangenehm ist so genannt zu werden, auf dem Markt und in den Taxis bekommen wir fast jedes Mal höhere Preise genannt. Diskriminierung? Rassismus? Privileg?
Ein Privileg ist ein Vorrecht, dass einer Person oder Personengruppe zugestanden wird. Rassismus ist eine ethnisierte Gruppenbildung (z.B. Weiß / Schwarz), die Abwertung einer Gruppe und die dazugehörige Macht eine Ungleichbehandlung zu erzeugen.
Ich komme aus Europa, kann reisen wohin ich will und habe genügend Geld. Ich habe eine bevorzugte Stellung im Gegensatz zu den meisten GhanaerInnen, für die ein Besuch in Europa auch wegen Geldgründen undenkbar wäre. Ich habe das Privileg weiß zu sein.
Ich bin weiß. Die GhanaerInnen sehen meine Hautfarbe und nehmen mich als Einzelnen nicht mehr wahr. Und da viele GhanaerInnen das so sehen und mich nach meiner Hautfarbe werten, ist die gesellschaftliche Ungleichbehandlung erzeugt. Rassistische Diskriminierung findet bei mir auf der Ebene der individuellen Nicht-Anerkennung und Benachteiligung statt.
Bin ich nun ein Nutznießer des Privilegs weiß zu sein oder Opfer von Rassismus?
Ich muss mir hier keine Gedanken über Geld machen, habe somit genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, (in der Regel) fließendes Wasser und Strom. Ich bin ein reicher Mann, Deutschland sponsert mich. Ich fühle mich als Nutznießer des Privilegs.
In dem Moment, wo ich auf die Straße gehe, fühle ich mich durch die hohe Aufmerksamkeit und Obroni-Rufe diskriminiert. Ich fühle mich unwohl, fremd und ausgeschlossen. Doch man kann nicht in die Köpfe der Menschen hineinschauen. Woher soll ich wissen, welches Bild die GhanerInnen vor Augen haben, wenn sie mich „Weißer Mann“ rufen? Ist es neutral oder wertend? Für mich persönlich ist es zweiteres. Ich fühle mich als Opfer von Rassismus. Aber natürlich kann man den Rassismus hier nicht mit der Judenhetze im dritten Reich oder der Rassentrennung in den USA gleichsetzen. Ich trage keinen körperlichen Schaden.
Privileg und Rassismus sind anscheinend verflochten. Jeder muss selbst für sich ausmachen, wann er sich diskriminiert oder bevorzugt fühlt. Man kann nicht pauschalisieren und nur eine Antwort auf die Frage „Privileg oder Rassismus“ finden. In Deutschland werden Schwarze in der Öffentlichkeit eher ignoriert, hier widerfährt mir die größte Aufmerksamkeit.
Mittwoch, 6. Oktober 2010
Der Alltag pendelt sich ein
Nachdem die Schulen geöffnet haben, fängt mein Jahr an. Doch mit der Öffnung der Schule beginnt noch nicht der Unterricht. Erst einmal ziehen die SchülerInnen mit Besen und Machetten bewaffnet in den Krieg gegen Schmutz und Dreck und bringen die Schule so richtig auf Vordermann. Von den Headmastern und LehrerInnen war die erste Schulwoche noch wenig zu sehen. Manche LehrerInnen kommen erst einen Monat nach Schulanfang. Um LehrerIn in Ghana zu werden, muss man auch nicht studieren. Die fehlende pädagogische Ausbildung wird mit einem Schlagstock, der schwungvoll drohend in der Hand geschwungen wird, ausgeglichen. „Afrikanische Kinder sind wie Tiere, man muss sie schlagen“, so rechtfertigte ein Lehrer einer Schule in CapeCoast den Einsatz des Stockes.
Ich persönlich habe noch nicht gesehen, wie ein Kind geschlagen wird. Nichtsdestotrotz steht auf meiner Regelliste für den KidsClub auf Platz eins „No Violence, no caneing“. Mit meiner deutschen Logik kann ich auch nicht nachvollziehen, wie man bei solch einem negativen Druck kreative Gedanken hervorbringen kann. Aber das ist auch nicht Ziel der Schulbildung in Ghana, wie ich schon bei der Begrüßung bemerkt habe. Nach einem „Hello“ kam mir sogleich ein auswendig gelerntes „Good Morning Sir! We are fine, thank you. How are you?“ entgegen, dass mich an Soldaten erinnert, die am Ende ihrer Kräfte versuchen synchron zu marschieren. Frontalunterricht mit Auswendiglernen wird der Vorzug gegenüber kreativem Unterricht mit Gruppenarbeiten und eigener Meinung gegeben.
Doch ich bin weder Pädagoge noch Lehrer. Vielleicht gelingt es mir trotzdem das selbstständige Denken in den Köpfen der Kinder zu wecken.
Angefangen haben die KidsClubs ganz gut. Wir sind an vier Schulen (Ankukrom, Gesdi, Abowinum und Methodist-School). In Ankukrom und Methodist biete ich den KidsClub für die vierten und fünften Klassen an, in Gesdi für die vierten bis sechsten Klassen und in Abowinum für die dritte. Das Problem in Abowinum ist, dass die Kinder so gut wie kein Wort Englisch sprechen und mich auch nicht verstehen. Das interessante ist: Betteln können sie alle auf Englisch. Da werden schnell Forderungen nach Fußballschuhen, Fahrrädern und Kleidungsstücken gestellt (mehr im nächsten Artikel „Zwischen Privileg und Rassismus“). Und die Erklärung, dass ich nicht in der Lage bin, ihnen materielle Geschenke zu machen, wird dann nicht verstanden.
Die anderen KidsClubs laufen dagegen richtig gut. Die Kinder verstehen grob das, was ich von ihnen will und haben Spaß bei den Spielen. Nach der Kennenlernphase folgen Themenphasen wie Mathematik, Fußball, Leichtathletik, Deutsch und Gesundheit. So ist zumindest der Plan.
Fast zwei Tage hatten wir nun kein fließendes Wasser und keinen Strom. Fazit: Es gibt schlimmeres als im Kerzenschein zu Abend zu essen. Es kommt immer drauf an, was man aus seiner Situation macht!
Ich persönlich habe noch nicht gesehen, wie ein Kind geschlagen wird. Nichtsdestotrotz steht auf meiner Regelliste für den KidsClub auf Platz eins „No Violence, no caneing“. Mit meiner deutschen Logik kann ich auch nicht nachvollziehen, wie man bei solch einem negativen Druck kreative Gedanken hervorbringen kann. Aber das ist auch nicht Ziel der Schulbildung in Ghana, wie ich schon bei der Begrüßung bemerkt habe. Nach einem „Hello“ kam mir sogleich ein auswendig gelerntes „Good Morning Sir! We are fine, thank you. How are you?“ entgegen, dass mich an Soldaten erinnert, die am Ende ihrer Kräfte versuchen synchron zu marschieren. Frontalunterricht mit Auswendiglernen wird der Vorzug gegenüber kreativem Unterricht mit Gruppenarbeiten und eigener Meinung gegeben.
Doch ich bin weder Pädagoge noch Lehrer. Vielleicht gelingt es mir trotzdem das selbstständige Denken in den Köpfen der Kinder zu wecken.
Angefangen haben die KidsClubs ganz gut. Wir sind an vier Schulen (Ankukrom, Gesdi, Abowinum und Methodist-School). In Ankukrom und Methodist biete ich den KidsClub für die vierten und fünften Klassen an, in Gesdi für die vierten bis sechsten Klassen und in Abowinum für die dritte. Das Problem in Abowinum ist, dass die Kinder so gut wie kein Wort Englisch sprechen und mich auch nicht verstehen. Das interessante ist: Betteln können sie alle auf Englisch. Da werden schnell Forderungen nach Fußballschuhen, Fahrrädern und Kleidungsstücken gestellt (mehr im nächsten Artikel „Zwischen Privileg und Rassismus“). Und die Erklärung, dass ich nicht in der Lage bin, ihnen materielle Geschenke zu machen, wird dann nicht verstanden.
Die anderen KidsClubs laufen dagegen richtig gut. Die Kinder verstehen grob das, was ich von ihnen will und haben Spaß bei den Spielen. Nach der Kennenlernphase folgen Themenphasen wie Mathematik, Fußball, Leichtathletik, Deutsch und Gesundheit. So ist zumindest der Plan.
Fast zwei Tage hatten wir nun kein fließendes Wasser und keinen Strom. Fazit: Es gibt schlimmeres als im Kerzenschein zu Abend zu essen. Es kommt immer drauf an, was man aus seiner Situation macht!
Montag, 20. September 2010
Vorfreude auf den Schulbeginn
Gibt es fließendes Wasser? Verfügt die Wohnung über ein Waschbecken? Ist das Klo im Haus? Fragen dieser Art stellt man in Deutschland bei keiner Wohnungssuche. Erst nachdem man sanitäre Einrichtungen zu schätzen gewusst hat, kommt man auf den Gedanken danach zu fragen. Doch nach vier Wochen habe ich mich an die Umstände so weit gewöhnt, dass die Frage nach heißem Wasser ein reines Luxusproblem darstellt.
Unsere Unterkunft ist geblieben und nachdem wir unsere Koffer ausgeräumt und wir mal durchgefegt haben, fühle ich mich wohl in Ajumako.
Das Projekt bleibt nun anscheinend wie in der Beschreibung bestehen: Ich werde hauptsächlich in Schulen assistieren und nachmittags einen Kidsclub leiten dürfen. Aber ich darf auch mit der NGO in die Communities fahren und dort bei Workshops helfen. Ich bin gespannt, wie die Realität aussehen wird. Manche sagen, dass die Schule am 27. September weitergeht, andere reden von einer Woche früher. Wann ich dann genau anfangen kann, weiss ich auch noch nicht genau. Wie auch immer: Ich habe das Ferienende noch nie so sehr herbeigesehnt!
Was ich gerade so mache? Die meiste Zeit ist es warten und laufen. Das Office ist 25 Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt und die Strecke laufen wir am Tag vier Mal. Hier läuft alles etwas langsamer, als wir es von Deutschland gewöhnt sind. „Just in Time“ ist hier nicht so angesagt und man sollte auch nicht sauer werden, wenn man den gesamten Vormittag und den halben Nachmittag auf jemanden wartet.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die GhanaerInnen in Ajumako körperlich gesünder sind als die Deutschen. Warum das so ist? Die Antwort liegt im Alltag: Die Wäsche wird mit der Hand gewaschen, man transportiert schwere Gegenstände auf den Köpfen (der Dank ist ein gesunder, gerader Rücken), man läuft sehr viel, ist die meiste Zeit unter Menschen und der Besen hat kein Stil (man muss sich bücken). Nun kann man natürlich sagen, dass es daran liegt, dass sie keine Waschmaschinen haben und weniger Auto fahren oder einfach „noch nicht so weit entwickelt sind“, oder man macht sich einfach mal Gedanken, ob das Bequemlichkeitsbestreben in Deutschland wirklich so gesund ist. Mir macht es mittlerweile wirklich Spaß sonntags kollegial mit anderen Wäsche zu waschen und das mit dem Transportieren von Gegenständen auf dem Kopf will ich auch noch lernen.
In unserer Wohngemeinschaft habe ich die Rolle des Fitnesstrainers eingenommen. Regelmäßiges Krafttraining und Joggen stehen auf dem Programm und alle machen motiviert mit. Denn bei dem guten, nahrhaften Essen hier müssen wir uns ja irgendwie fit halten. Und da das Meer nicht weit entfernt ist, gilt es die Strandfigur das ganze Jahr hindurch zu halten.
Obroni moroko, ekyir yi yebehyia (ich, der Weiße, gehe nun und komm bald wieder)
Unsere Unterkunft ist geblieben und nachdem wir unsere Koffer ausgeräumt und wir mal durchgefegt haben, fühle ich mich wohl in Ajumako.
Das Projekt bleibt nun anscheinend wie in der Beschreibung bestehen: Ich werde hauptsächlich in Schulen assistieren und nachmittags einen Kidsclub leiten dürfen. Aber ich darf auch mit der NGO in die Communities fahren und dort bei Workshops helfen. Ich bin gespannt, wie die Realität aussehen wird. Manche sagen, dass die Schule am 27. September weitergeht, andere reden von einer Woche früher. Wann ich dann genau anfangen kann, weiss ich auch noch nicht genau. Wie auch immer: Ich habe das Ferienende noch nie so sehr herbeigesehnt!
Was ich gerade so mache? Die meiste Zeit ist es warten und laufen. Das Office ist 25 Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt und die Strecke laufen wir am Tag vier Mal. Hier läuft alles etwas langsamer, als wir es von Deutschland gewöhnt sind. „Just in Time“ ist hier nicht so angesagt und man sollte auch nicht sauer werden, wenn man den gesamten Vormittag und den halben Nachmittag auf jemanden wartet.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die GhanaerInnen in Ajumako körperlich gesünder sind als die Deutschen. Warum das so ist? Die Antwort liegt im Alltag: Die Wäsche wird mit der Hand gewaschen, man transportiert schwere Gegenstände auf den Köpfen (der Dank ist ein gesunder, gerader Rücken), man läuft sehr viel, ist die meiste Zeit unter Menschen und der Besen hat kein Stil (man muss sich bücken). Nun kann man natürlich sagen, dass es daran liegt, dass sie keine Waschmaschinen haben und weniger Auto fahren oder einfach „noch nicht so weit entwickelt sind“, oder man macht sich einfach mal Gedanken, ob das Bequemlichkeitsbestreben in Deutschland wirklich so gesund ist. Mir macht es mittlerweile wirklich Spaß sonntags kollegial mit anderen Wäsche zu waschen und das mit dem Transportieren von Gegenständen auf dem Kopf will ich auch noch lernen.
In unserer Wohngemeinschaft habe ich die Rolle des Fitnesstrainers eingenommen. Regelmäßiges Krafttraining und Joggen stehen auf dem Programm und alle machen motiviert mit. Denn bei dem guten, nahrhaften Essen hier müssen wir uns ja irgendwie fit halten. Und da das Meer nicht weit entfernt ist, gilt es die Strandfigur das ganze Jahr hindurch zu halten.
Obroni moroko, ekyir yi yebehyia (ich, der Weiße, gehe nun und komm bald wieder)
Sonntag, 5. September 2010
Vorbereitungsphase in Cape Coast
Seit den Tagen in Accra sind wieder 10 Tage vergangen. Wir waren fünf Tage in Ajumako, meiner Heimat für das nächste Jahr. Ansonsten hat sich alles verändert: Partnerorganisation, Projekt, Unterkunft. Und da wir bis jetzt noch immer nicht genau wissen, wo wir nun unsere Koffer auspacken können und was wir genau machen dürfen, will ich darüber auch noch nicht spekulieren. Hope for Future Generations beschäftigt mit nachhaltiger Gesundheitsentwicklung und Gender Equality und als einer der größten NGOs (Nichtregierungsorganisation) in Ghana werden noch aller Hand anderer Projekte durchgeführt.
Momentan bin ich zu einer weiteren Vorbereitung in CapeCoast. Entfernungen drückt man hier nicht in Kilometern, sondern stets in Zeit aus. CapeCoast ist eine Stunde von Ajumako entfernt.
Gemeinsam mit 15 weltwärts-Freiwilligen haben wir eine gemütliche Vorbereitung in Cape Coast mit Dos and Donts, Gesundheit, Fanti-Workshops und vor allem mit dem Besuch des Festivals (eines der größten in Ghana).
Dort waren wir Freitag und Samstag auch. Die Bevölkerung CapeCoast hat sich gefühlt verfünffacht, weil alle Menschen aus dem Umkreis bzw. aus dem ganzen Land hierhern kommen, um die Chiefs und Könige zu sehen. Neben dem Regierungssystem, wie wir es im Westen gewohnt sind, existiert auch ein traditionelles. Hier hat also nicht jedes „Bundesland“ einen Ministerpräsidenten, sondern einen Chief. Das ist mein Erklärungsversuch, wenn man das überhaupt vergleichen darf.
Auf jeden Fall ist hier in CapeCoast richtig Remmidemmi. Alles Straßen sind überlaufen, überall gibt es Musik und Trommeln, es wird getanzt und gefeiert und das alles von morgens bis tief in die Nacht. Das Festival ging die ganze Woche über und hat gestern mit dem Festzug geendet. Die Chiefs –sitzend in einem Art Bett - wurden von jeweils vier Männern auf deren Köpfen herumgetragen. Die Menschen sind wirklich stolz auf ihre Chiefs und haben diese auch den ganzen Tag bejubelt. Der Umzug hat im Stadion geendet, wo auch der Präsident Atta Mills zu sehen war.
Nach knapp zwei Wochen bin ich nun schon etwas geduldiger und gelassener geworden. Mal eine Stunde bei leerem Magen auf das Essen zu warten oder zwei Stunden auf ein Taxi sind keine Anlässe unruhig zu werden.
Mit der Hoffnung das nächste Mal von meinem Projekt erzählen zu können,
euer Torben
Momentan bin ich zu einer weiteren Vorbereitung in CapeCoast. Entfernungen drückt man hier nicht in Kilometern, sondern stets in Zeit aus. CapeCoast ist eine Stunde von Ajumako entfernt.
Gemeinsam mit 15 weltwärts-Freiwilligen haben wir eine gemütliche Vorbereitung in Cape Coast mit Dos and Donts, Gesundheit, Fanti-Workshops und vor allem mit dem Besuch des Festivals (eines der größten in Ghana).
Dort waren wir Freitag und Samstag auch. Die Bevölkerung CapeCoast hat sich gefühlt verfünffacht, weil alle Menschen aus dem Umkreis bzw. aus dem ganzen Land hierhern kommen, um die Chiefs und Könige zu sehen. Neben dem Regierungssystem, wie wir es im Westen gewohnt sind, existiert auch ein traditionelles. Hier hat also nicht jedes „Bundesland“ einen Ministerpräsidenten, sondern einen Chief. Das ist mein Erklärungsversuch, wenn man das überhaupt vergleichen darf.
Auf jeden Fall ist hier in CapeCoast richtig Remmidemmi. Alles Straßen sind überlaufen, überall gibt es Musik und Trommeln, es wird getanzt und gefeiert und das alles von morgens bis tief in die Nacht. Das Festival ging die ganze Woche über und hat gestern mit dem Festzug geendet. Die Chiefs –sitzend in einem Art Bett - wurden von jeweils vier Männern auf deren Köpfen herumgetragen. Die Menschen sind wirklich stolz auf ihre Chiefs und haben diese auch den ganzen Tag bejubelt. Der Umzug hat im Stadion geendet, wo auch der Präsident Atta Mills zu sehen war.
Nach knapp zwei Wochen bin ich nun schon etwas geduldiger und gelassener geworden. Mal eine Stunde bei leerem Magen auf das Essen zu warten oder zwei Stunden auf ein Taxi sind keine Anlässe unruhig zu werden.
Mit der Hoffnung das nächste Mal von meinem Projekt erzählen zu können,
euer Torben
Dienstag, 31. August 2010
Reizüberflutung
Dass man Kulturunterschiede nicht lernen, sondern nur erfahren kann, ist mir nach den vergangen vier Tagen in Accra bewusst. Ich habe unzählige Eindrücke mit allen Sinnesorganen aufgenommen. Vor allem auf dem Markt habe ich so viel Neues gesehen, gerochen, gehört und geschmeckt. Ich müsste an dieser Stelle schreiben: dieser Blog ist überflüssig, weil ich mit Sprache niemals diese Erfahrungen auch nur ansatzweise widerspiegeln kann. Ein Versuch ist es trotzdem wert.
Als Weißer wird man hier ganz anders wahrgenommen und behandelt. Auf den Märkten wird man von fast jedem (und das können in zehn Sekunden auch mal schnell zehn Leute sein) angesprochen, von den Kindern oft mit Obroni („Weißer“). Das Bild vieler GhanaerInnen ist: Er ist weiß, er hat Geld. Und das stimmt sogar, denn alleine mit meinem Taschengeld steht mir doppelt so viel Geld als einem einfachen Angestellten zur Verfügung. Die GhanaerInnen sind sehr freundlich und freuen sich, wenn man mit ihnen spricht. Man gibt sich hier die Hand zur Begrüßung, baut nach dem Handschlag zwischen den Händen Druck auf bis man beim Loslassen schnippst. Das ist eine wirklich coole Begrüßung, die wir auch in Deutschland einführen sollten! Teilweise ist das aber auch sehr anstrengend und vor allem gewöhnungsbedürftig so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.
In den Tagen in Accra waren wir auch auf dem Mankola Market, einer riesigen Fläche, wo man alles kaufen kann, was man sich nur so vorstellen kann und natürlich alles frisch: Fisch, Riesenschnecken, alle möglichen Fleischsorten, Gewürze, natürliche Medizin, Obst und Gemüse. Komischerweise gibt es hier leider auch die ganzen Billigplastiksachen Made in China. Die ruinieren etwas den Gesamteindruck.
Das Essen schmeckt sehr lecker. Der Hauptbestandteil bei jedem warmen Essen ist scharf, also Chili und Pfeffer! Das hätte mich beim ersten Essen auch fast umgehauen, schwindelig war es mir schon. Traditionelle Gerichte isst man mit der rechten Hand ohne Besteck. Ich habe wirklich Spaß dabei! Ein Traum sind auch die frischen Ananas und Kokosnüsse und Bananenchips an der Straße. Ich könnte den ganzen Tag nur essen! Ananas werde ich in Deutschland wohl nicht mehr essen können, weil die dort einfach nicht schmecken!
Ich habe mir auch eine Glatze rasiert. Grund dafür liegt nicht an der Wärme, sondern einfach, weil ich mal was ausprobieren wollte. Dafür wird man hier auch nicht komisch angeschaut.
Remember: It´s nice to be nice!
Torben
Als Weißer wird man hier ganz anders wahrgenommen und behandelt. Auf den Märkten wird man von fast jedem (und das können in zehn Sekunden auch mal schnell zehn Leute sein) angesprochen, von den Kindern oft mit Obroni („Weißer“). Das Bild vieler GhanaerInnen ist: Er ist weiß, er hat Geld. Und das stimmt sogar, denn alleine mit meinem Taschengeld steht mir doppelt so viel Geld als einem einfachen Angestellten zur Verfügung. Die GhanaerInnen sind sehr freundlich und freuen sich, wenn man mit ihnen spricht. Man gibt sich hier die Hand zur Begrüßung, baut nach dem Handschlag zwischen den Händen Druck auf bis man beim Loslassen schnippst. Das ist eine wirklich coole Begrüßung, die wir auch in Deutschland einführen sollten! Teilweise ist das aber auch sehr anstrengend und vor allem gewöhnungsbedürftig so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.
In den Tagen in Accra waren wir auch auf dem Mankola Market, einer riesigen Fläche, wo man alles kaufen kann, was man sich nur so vorstellen kann und natürlich alles frisch: Fisch, Riesenschnecken, alle möglichen Fleischsorten, Gewürze, natürliche Medizin, Obst und Gemüse. Komischerweise gibt es hier leider auch die ganzen Billigplastiksachen Made in China. Die ruinieren etwas den Gesamteindruck.
Das Essen schmeckt sehr lecker. Der Hauptbestandteil bei jedem warmen Essen ist scharf, also Chili und Pfeffer! Das hätte mich beim ersten Essen auch fast umgehauen, schwindelig war es mir schon. Traditionelle Gerichte isst man mit der rechten Hand ohne Besteck. Ich habe wirklich Spaß dabei! Ein Traum sind auch die frischen Ananas und Kokosnüsse und Bananenchips an der Straße. Ich könnte den ganzen Tag nur essen! Ananas werde ich in Deutschland wohl nicht mehr essen können, weil die dort einfach nicht schmecken!
Ich habe mir auch eine Glatze rasiert. Grund dafür liegt nicht an der Wärme, sondern einfach, weil ich mal was ausprobieren wollte. Dafür wird man hier auch nicht komisch angeschaut.
Remember: It´s nice to be nice!
Torben
Dienstag, 24. August 2010
Angekommen
Ich bin gut in Ghana angekommen! Bei knapp 30 Grad sind wir (Annette Dahlinger, Marie Weber, Korbinian Vogt, Julia Geisler und Viola Koch) in Accra aus dem Flugzeug gestiegen.
Während dem Flug habe ich mich mit Maggi unterhalten. Sie lebt seit 25 Jahren in Deutschland. „In Deutschland gibt es keine Armut und trotzdem sind viele unglücklich. Das kann ich nicht verstehen.“ Nach der Trennung mit ihrem Mann lebte Sie eine Zeit von Hartz4. „Ein weiterer Unterschied ist“, erklärt Maggi, „dass die Ghanaer viel freier Leben. Sie gehen nicht nach Feierabend in ihr Haus, sondern auf die Straße. Dort spielt sich das ganze öffentlich Leben ab.“ Das letzte kann ich nun bestätigen. Auf dem Weg vom Flughafen zum ded Gästehaus konnte man viele Stände beobachten, die einfach alles angeboten haben, was ich mir vorstellen konnte.
In Accra bleiben wir für die nächsten vier Tage. Unsere Unterkunft, das ded Gästehaus, ist sehr luxoriös. Zwei Wachleute, eine Hausdame und noch ein Angestellter kümmern sich um uns sechs weltwärts-Freiwilligen (ww-Freiwillige).
Nach einem kurzen „Uns geht es gut“-Anruf zuhause, haben wir uns in der Stadt eine Sim-Karte gekauft.
Ich bin sehr auf die nächsten Tage und ihre Impressionen gespannt. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Achso, wenn man hier jemanden zu sich winken möchte, zeigt man demjenigen/derjenigen nicht den Handrücken, sondern die Handinnenseite. Das war sehr verwirrend, ich dachte man winkt mir nur zu. Ich freue mich auf die nächsten Erfahrungen.
Während dem Flug habe ich mich mit Maggi unterhalten. Sie lebt seit 25 Jahren in Deutschland. „In Deutschland gibt es keine Armut und trotzdem sind viele unglücklich. Das kann ich nicht verstehen.“ Nach der Trennung mit ihrem Mann lebte Sie eine Zeit von Hartz4. „Ein weiterer Unterschied ist“, erklärt Maggi, „dass die Ghanaer viel freier Leben. Sie gehen nicht nach Feierabend in ihr Haus, sondern auf die Straße. Dort spielt sich das ganze öffentlich Leben ab.“ Das letzte kann ich nun bestätigen. Auf dem Weg vom Flughafen zum ded Gästehaus konnte man viele Stände beobachten, die einfach alles angeboten haben, was ich mir vorstellen konnte.
In Accra bleiben wir für die nächsten vier Tage. Unsere Unterkunft, das ded Gästehaus, ist sehr luxoriös. Zwei Wachleute, eine Hausdame und noch ein Angestellter kümmern sich um uns sechs weltwärts-Freiwilligen (ww-Freiwillige).
Nach einem kurzen „Uns geht es gut“-Anruf zuhause, haben wir uns in der Stadt eine Sim-Karte gekauft.
Ich bin sehr auf die nächsten Tage und ihre Impressionen gespannt. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Achso, wenn man hier jemanden zu sich winken möchte, zeigt man demjenigen/derjenigen nicht den Handrücken, sondern die Handinnenseite. Das war sehr verwirrend, ich dachte man winkt mir nur zu. Ich freue mich auf die nächsten Erfahrungen.
Dienstag, 17. August 2010
Vorbereitungsseminar
Vom 19. bis 27. Juli fand das achttägige Vorbereitungsseminar auf der Wasserkuppe statt, welches von acht motivierten TeamerInnen, stellvertretend für ASA und Inwent (Partnerorganisation vom DED) geleitet wurde. Insgesamt 50 weltwärts-Freiwillige aus Bolivien, Äthiopien, Uganda, Nicaragua und eben Ghana waren vor Ort. Abwechselnd in den Länderarbeitsgruppen und im Plenum wurden Einheiten zu Teambildung, Kommunikation und Länderkunde, genauso wie Vorträge zu Privilegien und Diskriminierung, globales Lernen und globale Zusammenhänge gelauscht. Ein Verteter des ded stellte die Organisation vor und eine Angestellte des Ärztlichen Dienstes klärte uns zur Gesundheit vor Ort auf und rüstete uns mit einer umfassenden Reiseapotheke und einem Moskitonetz aus.
Die TeamerInnen sensiblisierten mich sehr gut für das bevorstehende Jahr in Ghana, dank den freundlichen TeilnehmerInnen konnte man sich sehr gut über Ängste, Krisen und Konflikte austauschen und die Seminareinheiten erweiterten meinen Horizont. Ich bin froh mit dem ded weltwärts zu gehen.
Die TeamerInnen sensiblisierten mich sehr gut für das bevorstehende Jahr in Ghana, dank den freundlichen TeilnehmerInnen konnte man sich sehr gut über Ängste, Krisen und Konflikte austauschen und die Seminareinheiten erweiterten meinen Horizont. Ich bin froh mit dem ded weltwärts zu gehen.
Mein Weg zum ded und nach Ghana
Ich wollte weltwärts gehen, das stand fest. Doch mit welcher Organisation? Von den 200 Entsendeorganisationen habe ich mich bei dem Deutschen Entwicklungsdienst beworben. Hauptgründe waren, dass ich hier keinen Förderkreis aufbauen und nichts selbst bezahlen muss. Außerdem habe ich mit dem ded einen großen Erfahrungsschatz vor allem durch die jahrgelange Entwicklungszusammenarbeit verbunden.
Im Oktober sendete ich meine Bewerbungsunterlagen an den ded und kurze Zeit später flatterte die Einladung zu einer Auswahltagung in den Posteingang. Auf der Auswahltagung testeten Mitarbeiter des ded und Ehemalige des weltwärts-Projektes unser Gruppenverhalten bei verschiedenen Problemen und Aufgaben. Ein Feedback-Einzelgespräch half dabei sich besser einzustufen. Innerhalb der nächsten Woche kam die Zusage: Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden als geeignet eingestuft am weltwärts-Projekt teilzunehmen!
Einen Monat später schickte der ded mir den Link zur Projektbörse zu und ich durfte mich auf drei Projekte bewerben. Ich wollte in das englischsprachige Afrika. Wieso gerade Afrika kann ich nicht rational erklären, und eine andere Fremdsprache als Englisch spreche ich nicht. Dann sollte das Projekt als ADIA anerkannt sein, was Voraussetzung dafür ist, dass ich nicht zur Bundeswehr muss. Im ersten Durchgang verpasste ich ein Projekt in Ruanda und so bin ich im zweiten Durchgang in Ajumako, Ghana gelandet. Nach der Projektbeschreibung gebe ich Nachhilfeunterricht und leite einen Schulclub für 4. - 6. Klässler. (Mehr Details zum Projekt, wenn ich angekommen bin)
Im Oktober sendete ich meine Bewerbungsunterlagen an den ded und kurze Zeit später flatterte die Einladung zu einer Auswahltagung in den Posteingang. Auf der Auswahltagung testeten Mitarbeiter des ded und Ehemalige des weltwärts-Projektes unser Gruppenverhalten bei verschiedenen Problemen und Aufgaben. Ein Feedback-Einzelgespräch half dabei sich besser einzustufen. Innerhalb der nächsten Woche kam die Zusage: Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden als geeignet eingestuft am weltwärts-Projekt teilzunehmen!
Einen Monat später schickte der ded mir den Link zur Projektbörse zu und ich durfte mich auf drei Projekte bewerben. Ich wollte in das englischsprachige Afrika. Wieso gerade Afrika kann ich nicht rational erklären, und eine andere Fremdsprache als Englisch spreche ich nicht. Dann sollte das Projekt als ADIA anerkannt sein, was Voraussetzung dafür ist, dass ich nicht zur Bundeswehr muss. Im ersten Durchgang verpasste ich ein Projekt in Ruanda und so bin ich im zweiten Durchgang in Ajumako, Ghana gelandet. Nach der Projektbeschreibung gebe ich Nachhilfeunterricht und leite einen Schulclub für 4. - 6. Klässler. (Mehr Details zum Projekt, wenn ich angekommen bin)
Dienstag, 27. Juli 2010
Sinn und Zweck von weltwärts
weltwärts ist ein Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Jugendlichen einen intrakulturellen* Austausch in Länder des globalen Südens* ermöglicht. Meine Entsendeorganisation ist der ded (Deutscher EntwicklungsDienst).
Damit grenzt sich das weltwärts-Jahr stark von Entwicklungshilfe ab. Ich bin nicht der Weiße, der den Schwarzen zeigt, wie man Dinge zu erledigen hat. Nein, im Gegenteil! Meine Aufgabe ist es von den Ghanaer zu lernen, die Lebenswelt zu erfahren und globale Zusammenhänge besser zu verstehen, um damit in Deutschland Vorurteile und Rassismus abzubauen. Und nebenbei leiste ich damit meinen Wehrersatzdienst ab.
Ich hoffe ich kann euer Bild von Afrika ein wenig zum Einsturz bringen. Kritisiert das, was ihr hier lest und schreibt mir, falls ihr Fragen habt. Das ist ja schließlich mein Job ;)
Viel Spaß dabei,
euer Torben
*intrakulturell: Interkulturell bedeutet, dass unterschiedliche Kulturen nebeneinander existieren. Doch wo hört die eine Kultur auf und fängt die andere an? Ich mache es mir deshalb einfach und schreibe einfach intrakulturell. Innerhalb der einen Kultur gibt es regionale Unterschiede.
*Länder des globalen Südens: Länder der dritten Welt, genauso wie Entwicklungsländer, sind Bezeichnungen der Weißen ihre privilegierte Haltung auszudrücken. Ich nutze deshalb die Bezeichnung Länder des globalen Südens, denn wir können mindestens genauso viel von den Menschen Afrikas lernen wie sie von uns.
Damit grenzt sich das weltwärts-Jahr stark von Entwicklungshilfe ab. Ich bin nicht der Weiße, der den Schwarzen zeigt, wie man Dinge zu erledigen hat. Nein, im Gegenteil! Meine Aufgabe ist es von den Ghanaer zu lernen, die Lebenswelt zu erfahren und globale Zusammenhänge besser zu verstehen, um damit in Deutschland Vorurteile und Rassismus abzubauen. Und nebenbei leiste ich damit meinen Wehrersatzdienst ab.
Ich hoffe ich kann euer Bild von Afrika ein wenig zum Einsturz bringen. Kritisiert das, was ihr hier lest und schreibt mir, falls ihr Fragen habt. Das ist ja schließlich mein Job ;)
Viel Spaß dabei,
euer Torben
*intrakulturell: Interkulturell bedeutet, dass unterschiedliche Kulturen nebeneinander existieren. Doch wo hört die eine Kultur auf und fängt die andere an? Ich mache es mir deshalb einfach und schreibe einfach intrakulturell. Innerhalb der einen Kultur gibt es regionale Unterschiede.
*Länder des globalen Südens: Länder der dritten Welt, genauso wie Entwicklungsländer, sind Bezeichnungen der Weißen ihre privilegierte Haltung auszudrücken. Ich nutze deshalb die Bezeichnung Länder des globalen Südens, denn wir können mindestens genauso viel von den Menschen Afrikas lernen wie sie von uns.
Abonnieren
Posts (Atom)